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Ka’a Journal

Der Pirarucu: Wie ein Riesenfisch zeigt, dass Schutz sich lohnt

Er wird bis zu drei Meter lang, atmet Luft – und war fast verschwunden. Heute ist der Pirarucu eine der großen Erfolgsgeschichten des Amazonas. Bei unserem Sommerevent in Berlin haben wir ihn gemeinsam gemalt.

2 Min. Lesezeit
  • Event
  • Instituto Juruá
  • Bioökonomie
Gruppe von Menschen auf einem Boot in Berlin hält ein großes, bunt gemaltes Pirarucu-Banner

Im Sommer 2024 haben wir bei einem Ka’a-Harmony-Event in Berlin gemeinsam ein großes Banner gemalt: einen Pirarucu, bunt, mit glänzenden Schuppen. Warum ausgerechnet dieser Fisch? Weil seine Geschichte zeigt, was möglich ist, wenn Menschen vor Ort ihre Natur selbst schützen – und davon leben können.

Ein Riese, der Luft atmet

Der Pirarucu (Arapaima) gehört zu den größten Süßwasserfischen der Welt: bis zu drei Meter lang und rund 200 Kilogramm schwer. Er muss regelmäßig an die Oberfläche, um Luft zu holen. Genau das machte ihn verletzlich – er war leicht zu jagen. Durch Überfischung brachen die Bestände in vielen Regionen des Amazonas bis in die 1990er-Jahre dramatisch ein.

Zählen statt Raten

Die Wende kam mit einer verblüffend einfachen Idee: Gerade weil der Pirarucu zum Atmen auftaucht, kann man ihn zählen. Erfahrene Fischerinnen und Fischer beobachten einen See über feste Zeitfenster von rund 20 Minuten und zählen die auftauchenden Tiere. Studien zeigen, dass geschulte Zählerinnen und Zähler damit sehr genaue Ergebnisse erreichen.

  • Auf Basis der Zählung beantragen die Gemeinden bei der Umweltbehörde IBAMA eine Fangquote.
  • Gefangen werden dürfen höchstens 30 % der erwachsenen Tiere – die übrigen 70 % sichern den Nachwuchs.
  • Nur Fische über 1,5 Meter dürfen entnommen werden; in dieser Größe hat sich die Mehrheit bereits fortgepflanzt.
  • Die Gemeinden bewachen ihre Seen das ganze Jahr selbst gegen illegale Fischerei.

Das Ergebnis: ein Sparbuch mit Zinsen

Eine Langzeitstudie am Fluss Juruá verglich 83 Seen über acht Jahre: In gemeinschaftlich geschützten Seen lebten im Schnitt rund 300 Pirarucus – in frei zugänglichen Seen nur etwa neun. Die Forschenden verglichen geschützte Seen mit einem „hochverzinsten Sparbuch“: Pro Gemeinde sind im Schnitt über 10.000 US-Dollar Einnahmen im Jahr möglich. Das Instituto Juruá berichtet für sein Projektgebiet von einem Anstieg der Bestände um 425 % in elf Jahren.

Ein Fischer hebt einen großen Pirarucu aus dem Wasser in ein Holzboot
Nachhaltiger Fang am Juruá – nur ein kleiner Teil der gezählten Fische darf entnommen werden. Foto: Instituto Juruá

Der Fisch wird von lokalen Organisationen wie der Produzentenvereinigung ASPROC aus Carauari verarbeitet und unter der Gemeinschaftsmarke „Gosto da Amazônia“ vermarktet. So bleibt ein größerer Teil des Erlöses bei den Familien. Und weil die Gemeinden ihre Seen bewachen, profitieren auch Flussschildkröten, Vögel und der umliegende Wald.

Warum uns das so wichtig ist

Der Pirarucu ist für uns mehr als ein Fisch. Er ist der Beweis, dass Naturschutz und Einkommen kein Widerspruch sind – wenn die Menschen vor Ort entscheiden und profitieren. Unser Partner, das Instituto Juruá, begleitet dieses Modell wissenschaftlich. Mit unserem Banner in Berlin wollten wir diese Geschichte nach Europa holen. Und wir erzählen sie weiter.

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Die Zukunft des Amazonas hängt von den Brücken ab, die wir heute bauen.