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Ka’a Journal

Schutz durch Wertschöpfung: Was der Amazonas von Namibia lernen kann

In Namibia verdienen Gemeinden Geld damit, dass Wildtiere leben – und schützen sie deshalb. Ein Modell, das auch im Amazonas funktioniert, wenn man es an den Wald anpasst.

2 Min. Lesezeit
  • Bioökonomie
  • Ökotourismus

Lange galt im Naturschutz ein einfaches Rezept: Zaun drum, Menschen raus. Diese „Festung Naturschutz“ hat vielerorts Konflikte geschaffen – denn wer von der Natur ausgeschlossen wird, hat wenig Grund, sie zu schützen. Namibia ist einen anderen Weg gegangen, und er lohnt einen genauen Blick.

Namibia: Wenn Wildtiere zum Einkommen werden

Seit einer Gesetzesreform Mitte der 1990er-Jahre können sich Gemeinden auf kommunalem Land zu sogenannten Conservancies zusammenschließen. Sie erhalten damit Rechte an den Wildtieren auf ihrem Land und können Verträge mit Lodges und Tourismusanbietern schließen. Aus Elefanten, die früher vor allem Ernten zerstörten, wurde eine Einnahmequelle.

  • Rund 86 bis 87 Conservancies verwalten heute etwa 166.000 km² – rund 20 % der Landesfläche Namibias.
  • 2023 flossen den Conservancies Geld- und Sachleistungen von rund 166 Millionen Namibia-Dollar zu, etwa zwei Drittel davon aus dem Tourismus.
  • Gemeindebasierter Naturschutz schafft über 2.300 Arbeitsplätze – als Ranger, Guides, in Lodges und im Management.

Zur Ehrlichkeit gehört: Ein großer Teil der Einnahmen stammt auch aus regulierter Trophäenjagd, über manche Zeiträume sogar mehr als aus dem Tourismus. Das Modell ist kein Märchen, sondern ein Kompromiss – aber einer, der funktioniert: Wildbestände haben sich in vielen Regionen erholt, und Land wurde nicht in Ackerflächen umgewandelt.

Das Prinzip dahinter

Wer davon lebt, dass die Natur intakt bleibt, schützt sie besser als jeder Zaun.

Entscheidend ist nicht der Tourismus an sich, sondern die Eigentumsfrage: Die Menschen vor Ort entscheiden mit und profitieren direkt. Damit wird intakte Natur wirtschaftlich wertvoller als ihre Zerstörung.

Und im Amazonas?

Safari-Tourismus mit „Big Five“ lässt sich nicht einfach auf den Regenwald übertragen – Tiere sind im dichten Wald schwerer zu sehen, Wege sind weit. Das Prinzip aber funktioniert auch hier, in eigener Form:

  • Gemeindebasierter Ökotourismus: Die Uakari Lodge im Schutzgebiet Mamirauá wird gemeinsam mit den Gemeinden betrieben und kommt elf Gemeinden zugute. Lokale Guides zeigen Gästen ihren Wald – und verdienen daran.
  • Nachhaltige Ressourcennutzung: Beim Pirarucu-Management zählen Fischerinnen und Fischer die Bestände und dürfen nur einen kleinen Teil fangen. Die Fische werden zum „Sparbuch mit Zinsen“ (mehr dazu in unserem Pirarucu-Artikel).
  • Bioökonomie: Früchte, Nüsse, Öle und Fisch aus intaktem Wald, vor Ort verarbeitet und fair vermarktet, schaffen Einkommen ohne Rodung.

Was es dafür braucht

Solche Modelle entstehen nicht von allein. Sie brauchen gesicherte Landrechte, Startkapital, Zugang zu Märkten – und Partner, die zuhören. Genau hier setzt Ka’a Harmony an: Wir verbinden Initiativen im Amazonas, oft von Frauen geführt, mit Stiftungen, Unternehmen und Menschen in Europa, die Schutz durch Wertschöpfung möglich machen wollen.

Mitmachen

Die Zukunft des Amazonas hängt von den Brücken ab, die wir heute bauen.